Dienstag, 2. April 2013

In meinem Herzen lebt J. weiter!

Nun habe ich schon sehr lange nichts mehr von mir hören lassen. Ja, es ist nicht leicht, von dieser Zeit der Trauer zu erzählen, denn meine Tränen sind so privat, dass ich sie sogar meinen Freunden und meiner Familie nicht zeige.
Klar, ich weiß, das ist blöd und doch will ich es nicht.

Auch habe ich die Posts mit den Rückblicken wieder gelöscht. Da muss ich nochmal sehr in mich gehen, welche Form das Ganze haben soll. Der eine Grund für die Löschung ist, es ist für mich sehr unerfreulich, die alten Emails nochmal durchzulesen und zu entscheiden, was ich davon hier einstelle. Zum anderen möchte ich momentan das alles erst mal hinter mir lassen und nicht noch zusätzlich in meiner Wunde rumbohren. Und das würde ich jedes Mal, wenn ich einen neuen Rückblick-Post gestalte. Also gibt es momentan gar keine.

Ich bin nun dabei, mein neues Leben anzufangen, packe unsere Kisten aus, erledige Berge von Papierkram, versuche die restlichen Umbaumaßnahmen zu organisieren und habe natürlich auch wieder angefangen zu arbeiten. Ich kann nicht noch länger meine Praxis schließen, sonst habe ich alle meine alten Patienten verloren. Die Praxis läuft langsam wieder an, aber da ich die meisten Kisten dort habe, werde ich meine Einweihung erst machen, wenn alles wirklich fertig ist, das dauert noch einige Wochen oder länger.

Ja, dann habe ich mich an einer Universität als Gasthörer für Psychologie eingetragen und wenn meine Finanzen mitspielen und es mir gefällt, werde ich ab Sommer richtig studieren, zumindest einige Tage in der Woche. Warum ich das mache, jetzt in meinem Alter? Ich wollte es immer schon, aber mit vier Kindern  gibt es viele Gründe, warum es dann doch nie realisiert wurde. Außerdem war die Uni zu weit weg und ist nun erst durch unseren Umzug in annehmbare Nähe gerückt. Ja und dazu kommt, dass ich mit dem Verlust von J. auch eine sehr erdende Kraft in meinem Leben verloren habe, der mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat, falls ich abheben wollte. Ich glaube, ich brauche nochmal etwas, das ganz außerhalb meiner bisherigen vor allem spirituellen Ausbildung ist.
Aber ich werde im Sommer dann nochmal sehr in mich gehen und das genau prüfen, denn an meiner Arbeit wird sich dadurch eher nicht viel ändern, allerdings wird sie wissenschaftlich fundiert und das hat mir ja durch die Heilpraktikerausbildung und das Beschäftigen mit dem Körper auch sehr gut getan und mich geerdet. Was natürlich auch möglich ist, falls ich das Studium abschließe ist eine Arbeit im Hospiz, oder in anderer Form als Angestellte. Aber auch das weiß ich noch nicht, dazu ist es momentan viel zu früh.

Zur Zeit lese ich sehr viel - Ich habe mir einen Kindle ebook-reader gekauft und bin mit Begeisterung am Lesen in englisch. Da kann man dann einfach das Wort anklicken und bekommt die Übersetzung. So ist das Lesen in Englisch nun viel leichter geworden. Ich lese gerade Dreamseller, gibt es allerdings auch auf Deutsch: Traumhändler. Ich bin sehr begeistert. Es berührt mein Herz. Die Weisheiten sind zwar nicht neu, aber es spricht eine Ebene an, die mir gut tut und mich berührt. Ansonsten habe ich mir viele Kindle-Bücher gekauft, fast nur Englisch: Fantasy, aber auch ein paar spirituelle. Da ich ja meist einen Roman und ein Sachbuch gleichzeit lese habe ich noch angefangen: "The Map" Das gefällt mir sehr gut und entspricht sehr meinem Umgang mit dem Unterbewusstsein. Unbedingt anschauen, heißt auch so auf Deutsch und es gibt wundervolle Karten dazu!!!

Ich habe nun einige Bücher über Trauer gelesen und phasenweise ist sie auch da und sehr präsent. Ich habe J. Bild auf den Wohnzimmerschrank gestellt, so sehe ich ihn immer, wenn ich auf dem Sofa sitze, lese, fernsehe usw. inzwischen freue ich mich meist, ihn zu sehen, aber am Anfang, als ich das Bild aufgestellt hatte, musste ich immer weinen.
Es gibt hier in der Nähe mehrere Trauergruppen, die ich besucht habe oder noch will. Danach werde ich sehen, ob und wie lange ich da hin gehen möchte. Momentan zieht es mich zu Gleichgesinnten und ich fühle mich sehr wohl dort. Wie es damit weiter geht, weiß ich noch nicht, momentan finde ich es wichtig für mich, unter Anleitung genau hinzuschauen, denn ich weiß, wie leicht man verdrängt oder versteinert.... und wie schnell man als Trauender selbst krank wird und dem Verstorbenen nachfolgt. Ich habe mich auf dem Friedhof, wo J. Grab ist, etwas umgeschaut und viele Frauen haben ihren Mann nicht ein Jahr überlebt......

So schlimm diese Zeit auch ist, zum Glück ist das Vertrauen ins Leben und die allumfassende Schöpferkraft geblieben. Ich bin immer noch tief in mir überzeugt, dass es immer alles gut ist, was geschieht und das jeder Tod auch der Beginn eines neuen Lebens ist. Geliebtes loszulassen ist nicht leicht, aber viel mehr geht es darum, die vielen kleinen liebgewordenen Gewohnheiten loszulassen, die mit dem Verlust zusammenhängen und das Leben nun anders zu füllen und neues zu finden, das ebenso liebenswert ist. Ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg, aber es wird schon noch einige Zeit dauern, bis ich wirklich sagen kann, dass ich mein Leben alleine wirklich begonnen habe.

So, dann möchte ich noch zur Überschrift kommen. Gestern abend habe ich im Traumhändler gelesen und dieser ist auf eine Beerdigung gegangen und hat dort die Trauenden getröstet, indem er ihnen klar gemacht hat, dass der Verstorbene im Inneren der Trauernden weiterleben kann und sollte. Ja, so gehe ich auch mit meinem Verlust um. Das ist der Vorteil, den wir Witwen und Witwer im Vergleich zu den Geschiedenen haben. Wir wissen, wir wurden geliebt und so fällt es auch leichter, unsere Herzen zu öffnen und unsere Liebe weiterleben zu lassen.




Kommentare:

  1. Wunderschön wie Du das für Dich beschreibst und aufarbeitet !
    Herzlichst Peter

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  2. Danke, ich hatte es mir es allerdings doch leichter vorgestellt, darüber zu schreiben....

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